• „Wenn wir das machen, dann steigt die Kreisumlage um 4 oder 5 Punkte (2012 entspricht 1 Punkt Kreisumlage 2.000.000 Euro)!“ Mit diesem Schreckensszenario versuchte unser Landrat Karl Röckinger im jüngsten Umwelt- und Verkehrsausschuss der Debatte um einen umfassenden Verbund zwischen VVS (Verkehrsverbund Stuttgart) und VPE (Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis) gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und legte gleich in Richtung Heckengäu nach: „Immer nur Forderungen stellen, aber keine (ausreichende) Kreisumlage zahlen wollen!“ Unter den Ausschuss-Mitgliedern eine engagierte Kollegin Christa Pfisterer aus Heimsheim und ich mit der Faust in der Tasche im Zuhörerraum. Was war geschehen?

    Seit rund 20 Jahren bemühen sich die Bürgermeister im Heckengäu um einen Verbund zwischen VVS und VPE im öffentlichen Nahverkehr. Auch vierzig Jahre nach Auflösung des Landkreises Leonberg zieht es sehr viele Menschen aus unseren Gemeinden in Richtung Region Stuttgart. Dort wird eingekauft, gearbeitet und vor allem in die Schule gegangen. Das schlägt sich in den Fahrgastzahlen vom Heckengäu in Richtung Osten eindeutig nieder und sollte und sollte damals wie heute durch eine angemessene Verbundlösung kunden- und damit bürgerfreundlich geregelt werden. Bis vor wenigen Jahren saßen die Gemeinden bei den bis dahin zugegeben erfolglosen Verhandlungen darüber mit am Tisch. Doch in den letzten Jahren wurde es still um dieses Thema und die Verhandlungen wanderten von der Öffentlichkeit ins Hinterzimmer. Aus eben diesem wurden die Spitze des Enzkreises und vor allem der VPE-Geschäftsführer Axel Hofsäß unsanft herauskomplimentiert, als der Kreis Böblingen in – Frechheit! – öffentlicher Sitzung eine Regelung zwischen VVS und VPE beschloss, die nun aber nur die Heckengäugemeinde Heimsheim und – ganz neu – den Tiefenbronner Teilort Lehningen in die Segnungen der neuen Regelung einbezieht! Auf meine schriftliche Anfrage (Zitat unseres Landrats: „böser Brief“) bekam ich nach 14 (!) Tagen eine vor Selbstlob gespickte Antwort von der VPE-Spitze. Tenor: Die Regelung sei von Vorteil für alle, es sei nie um eine Einbeziehung aller Gemeinden gegangen und vor allem: alles noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt!

    Nachdem meine Kreistagskollegin Christa Pfisterer und ich schließlich mit weiteren, bis heute nicht beantworteten „bösen Briefen“ den Finger weiter in die Wunde legten, Unwahrheiten richtig stellten sowie die Einbeziehung der Gemeinden bei den Verhandlungen über eine heckengäuweite Lösung anmahnten, sah man sich bei Kreis und VPE nun doch genötigt, an die in diesem Fall offensichtlich unliebsame Öffentlichkeit zu gehen. Von einem Vorratsbeschluss des Böblinger Kreistags war dann in besagter Sitzung plötzlich zu hören. Ich frage mich, wie viel „Vorrat“ in einem Beschluss ist, der im Oktober 2012 für eine Regelung getroffen wurde, die am 01.01.13 in Kraft treten soll? Wohl nicht viel! Zahlen wurden ansonsten nicht in nennenswertem Umfang genannt – oh doch: Der Horror mit den 5 Kreisumlagepunkten…

    Vor dem Sitzungssaal durfte ich dann noch zufällig zwei Sätze von VPE-Chef Hofsäß aufschnappen. Sehr verärgert hat mich die Aussage gegenüber einem Pressevertreter, die Gemeinden im Heckengäu sollen erst einmal den „Ball flach halten“ – wow! Hoffnungsvoll aufhorchen ließ mich dann der zweite Teil der Aussage. Hier wurde davon gesprochen, dass die Verhandlungen über einen Verbund angeblich doch noch nicht abgeschlossen seien. Beides war aber sicherlich wieder nicht für die Öffentlichkeit bestimmt…

    Vielleicht besteht also doch noch Hoffnung auf ein gutes Ende der endlos langen Verhandlungen für eine Verbesserung im Nahverkehr zwischen dem Enzkreis und der Region Stuttgart. Das Heckengäu fordert nicht Unmögliches, zumal sich mit der grün-roten Landesregierung ausgesprochene Befürworter eines guten und kundenfreundlichen ÖPNV in der Verantwortung befinden. Fürs Erste wären wir schon mit einer gleichberechtigten Einbeziehung in die Verhandlungen um eine Verbundlösung zufrieden, die natürlich öffentlich stattfinden müssen. Das Thema ist zu wichtig und zieht sich schon zu lange hin, um es im Hinterzimmer zu beschließen und dann in einer Nacht- und Nebelaktion der staunenden Bürgerschaft zu präsentieren!

    Dieser Artikel wurde am 13. Dezember 2012 um 00:00 Uhr verfasst und gelistet unter Allgemeines. Sie können alle Kommentare über den RSS Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Website setzen.
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