
Der "teuflische" Hausherr und seine Frau: Charles Price vor seinem Haus in der Finkenstraße. Im Hintergrund Ehefrau Monika
Man kann ja in Bezug auf Halloween durchaus geteilter Meinung sein. Ursprünglich ein heidnischer Brauch, der in Irland praktiziert wurde, bezeichnet Halloween als Kontraktion des Wortes All Hallows’ Even den Abend vor Allerheiligen. Wie die Nordamerikaner diesen Brauch dann kommerzialisiert haben, nach dem ihn besagte Iren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über den Atlantik getragen haben, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Nichts desto trotz, für die Amerikaner ist Halloween nach Weihnachten und Thanksgiving (Erntedankfest) das wichtigste Fest und in Deutschland haben unsere Kids am zunehmend beliebten “Süßes oder es gibt Saures” wahrlich einen “Heiden”-Spaß.
Vor ein paar Tagen – recht überraschend – kündigte meine Frau mir, dem bekennenden Halloween-Skeptiker, einen Spaziergang der besonderen Art am Vorabend von Allerheiligen an. Es sollte in die Finkenstraße gehen, dort würde Samstag der Halloween-Bär steppen. Der Neugier folgend, machten wir uns also auf den Weg. Und tatsächlich: Bereits von weitem war ein Haus hinter dem Autobahnwall hell erleuchtet. Überall die typischen Kürbislichter, dazwischen jede Menge Totenköpfe, Mumien und Skelette. Rauch hüllte den Eingangsbereich ein, über dem drohend der Sensenmann thronte. In der Garageneinfahrt dann blutige Körperteile im flackernden Licht eines Stoboskops. Der Schuldige war schnell gefunden: Ein als Zombie verkleideter Bewoher der “Monsterhöhle” positionierte sich hinter mir mit seiner Motorsäge, während sich vor mir der Leibhaftige aufbaute. Der Fürst der Finsternis outete sich jedoch schnell als Hausherr Charles Price, der mit seiner Frau Monika schon einige Jahre nicht nur an Halloween die Nacht zum Tage macht. Doch wer nun glaubt, dieser Mummenschanz geht auf das amerikanische Naturell von Herrn Price zurück, wird von der deutschstämmigen Hausmutter gleich eines Besseren belehrt. Während sie meinen Kindern Süßes zusteckt, bekennt sie sich offen zu ihrer skurrilen, aber liebenswerten Schwäche. Und während wir uns verabschieden, in dem wir eine abgetrennte, doch immer noch recht bewegliche Hand schütteln, ziehen bereits die nächsten Schaulustigen heran – aus Niefern, so weit hat sich das Halloween-Highlight im Heckengäu schon herumgesprochen.
Na denn: Happy Halloween!
