• Zugegeben, Naturschutz genießt heutzutage (zu Recht) einen hohen Stellenwert. Ähnlich verhält es sich mit dem Tierschutz. Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, ist die Unterstützung und Förderung ehrenamtlicher Strukturen Muss und Selbstverständlichkeit zugleich. So sehen wir das zumindest in Friolzheim. Treffen alle drei genannten Faktoren in einem Projekt zusammen, sollte das eigentlich eine unschlagbare Mischung ergeben. Soweit das Denkmuster einiger Fachleute der unteren Naturschutzbehörde sowie einer Handvoll überzeugter Angelfreunde. Dass diese “unschlagbare Mischung” nun doch nicht zündete, liegt vielleicht in einer Kette von Mißerständnissen, in denen sich der vorgenannte Personenkreis seit Jahr und Tag immer wieder ergehen.

    Diese Mssverständnisse beginnen bereits am “Oberlauf” des Seegrabens, genauer an der derzeitigen Entwässerung der A 8. Bestes Quellwasser ist das nicht, was da momentan noch von der im Ausbau befindlichen Ferverkehrstrasse abläuft. Doch keine Gefahr für die Angelfreunde im nahe gelegenen Würmtal: Dieser Wasser schafft es nur wenige, regenreiche Male im Jahr überhaupt, den Verlauf des “Gewässers zweiter Ordnung” (Klassifizierung nach §3 des Wassergesetzes für Baden-Württemberg) soweit zu durchqueren, dass es denn auch bis ins Würmtal abfließt. Die meiste Zeit des Jahres fällt der Seegrabenaber  trocken und beherbergt leider eher Müll als Amphibien oder schützenswerte Flora. Die erwähnte Behörde ist hier seit Jahr und Tag völlig anderer Meinung. Ein Missverständnis?

    Anders sieht das Ganze dann hinter der erst vor wenigen Jahren nach neuesten Standards gebaute Friolzheimer Kläranlage aus. Dort wird aus dem trockenen “Gräbele” tatsächlich ein Fließgewässer, gesäumt nahezu bis an die Gemarkungsgrenze zu Tiefenbronn von intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen. Doch darf das sein? Behörde wie Angelfreunde argumentieren, es wäre eminent wichtig, den betroffenen Landwirten einen beidseits des Grabens zu schaffenden “Gewässerrandstreifen” abzuringen, in dem dann durch einen anzulegenden Schilfgürtel die schon gute Wasserqualität nochmals gesteigert wird. Flankierend dazu sollen weitere Aktionen und Kontrollen erfolgen, um den zu erwartenden Erfolg sicherzustellen. Ein Verein als Erfüllungsgehilfe des auf Kreisebene organisierten Umweltschutzes? Oder ein Missverständnis?

    Fakt ist, dass die untere Naturschutzbehörde seit Jahren versucht, eine Verbesserung am Friolzheimer Seegraben zu erreichen. Schaut man sich jedoch die Wasserqualität an, ist die Frage berechtigt, worin die Verbesserung bestehen soll? Etwa in der Optik? In früheren Jahren sollte die Gemeinde durch die Kreisbehörde angehalten werden, den erwähnten Gewässerandstreifen am Graben durchzusetzen. Eigene Anstrengungen von Seiten der Behörde sind mir bis heute nicht bekannt. Vor zwei Jahren dann ein weiterer Vorstoß: Der nun auch wieder ins Spiel gebrachte Schilfgürtel sollte als Ausgleichsmaßnahme helfen, die “bedrohlichen” Auswirkungen des interkommunalen Gewerbegebiets von Friolzheim und Mönsheim abzumildern. Da wurden seitens des Vereins in aller Öffentlichkeit und allen Ernstes Szenarien an die Wand gemalt, die nicht einmal einer oberflächlichen Überprüfung standhielten. Es wurde kolportiert, die Abwässer des Interkoms würden gar nicht erst in die Friolzheimer Kläranlage eingeleitet und ungeklärt in Richtung Fischgründe fließen. Als das nicht haltbar war, wurde die Leistungsähigkeit des Klärwerks angezweifelt. Vielleicht war aber auch alles ganz anders, einfach ein Missverständnis?

    Nun also der Vorstoß mit der Bachpatenschaft: Alter Wein in neuen Schläuchen. Sicherlich ist diese Maßnahme ein lobenswertes Projekt und auf Tiefenbronner Gemarkung aufgrund der dort liegenden Trinkwasserquellen sinnvoll. Auch der Optik des Seegrabens käme eine solche Maßnahme zugute, zugegeben. Festzuhalten ist aber auch, dass sich die Gemeinde Friolzheim genau wie alle Gemeinden in Biet und Heckengäu um den Umwelt- und Naturschutz bemühen. Um zumindest hier Missverständnisse auszuschließen, will ich an dieser Stelle festhalten, dass es am Friolzheimer Seegraben auch andere schützenswerte Interessen gibt außer Bachforellen und Landschaftsbild. In diesem Falle haben Rat und Verwaltung unserer Gemeinde die Priorität eindeutig bei den Belangen der ortsansässigen Landwirte gesehen und die Patenschaft konsequent abgelehnt. Eben jene Landwirte waren zu unterstützen, die in den letzten Jahren immer wieder Flächen verloren haben, sei es durch kommunale Erschließungen, vor allem aber auch durch Ausgleichsmaßnahmen für Großprojekte wie die A8, die weit gehend von der unteren Verwaltungsbehörde unwidersprochen hingenommen wurden! Auch nach diesen Umständen sollte die Beurteilung der Gemeinderatsentscheidung ausfallen, die im übigen keine andere war wie in den letzten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten!

    Die Würmtaler Angelfreunde zeigen sich nun “verschnupft” ob der “kaltschnäuzigen” Entscheidung des Friolzheimer Rats. Gerade diese Herren sollten daran denken, welche Befindlichkeiten sie mit den auf den eigenen Vorteil ausgerichteten, erwiesen unrichtigen Behauptungen über die Abwasserbehandlung im Interkom oder die Friolzheimer Kläranlage hervorgerufen haben!

    Friolzheim ist der Natur- und Gewässerschutz ein wichtiges Anliegen. Auch arbeiten wir gut und gerne mit der Nachbargemeinde Tiefenbronn sowie den jeweiligen Stellen des Landratsamtes Enzkreis zusammen. Vereine genießen hier einen hohen Stellenwert – das hatte ich alles schon einmal erwähnt. Doch sind uns eben auch unsere Landwirte als eine Säule unserer Dorfgemeinschaft wichtig. Das war für die Entscheidung vom vergangenen Montag ausschlaggebend und dies gilt es auch – trotz der nachvollziehbaren Enttäuschung – allseits anzuerkennen und zu akzeptieren!

    Dieser Artikel wurde am 05. November 2009 um 00:33 Uhr verfasst und gelistet unter Allgemeines. Sie können alle Kommentare über den RSS Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Website setzen.
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